dot.research - Scrum als Wunderwaffe?

David Berger
24. Dezember 2019

Seit Scrum als Cocktailthema die Menschen auch ausserhalb der Arbeitszeit beschäftigt, gilt Scrum als die Wunderwaffe für überkommende Softwareentwicklungsprozesse. In diesem Beitrag möchte ich Scrum entzaubern.

Von einem Kollegen ist überliefert:

Scrum ist wie meine Schwiegermutter. Sie kommt zu mir nach Hause und sagt mir, wo es überall dreckig ist. Aber aufräumen muss ich selbst.

Scrum als empiristisches Framework ist darauf spezialisiert, die Herausforderungen der modernen Softwareentwicklung sofort und schonungslos aufzudecken. Der Scrum Guide selbst bestätigt:

Scrum macht die relative Wirksamkeit Ihres Produktmanagements und Ihrer Arbeitstechniken sichtbar, damit Sie fortlaufend das Produkt, das Team und die Arbeitsumgebung verbessern können.

Allerdings bietet Scrum keine "Rezepte" oder "Kochbücher", wie man die entdeckten Herausforderungen löst. Stattdessen erinnert Scrum:

Der Kern von Scrum ist ein kleines Team von Menschen. Dieses Team ist sehr flexibel und anpassungsfähig.

Als Framework der empiristischen Prozesskontrolle ist für Scrum die Transparenz der erste Schritt für eine Verbesserung. Der nächste Schritt ist die Überprüfung und schliesslich die Anpassung. Das sind die sogenannten Säulen von Scrum. Das ist auch schon - gelinde gesagt - der Kern und Erfolg von Scrum. Der Scrum Guide verdeutlicht:

Wenn ein Prüfer feststellt, dass Aspekte des Prozesses von den akzeptablen Grenzwerten abweichen und dass das resultierende Produkt so nicht akzeptabel sein wird, müssen der Prozess oder das zu bearbeitende Material angepasst werden. Die Anpassung muss so schnell wie möglich vorgenommen werden, um weitere Abweichungen zu minimieren.

Im Gegensatz zu SAFe beantwortet Scrum dabei nicht die gängigsten Herausforderungen in der Software-Entwicklung, wie zum Beispiel:

  • Wie umgehen mit Kopfmonopolen respektive single head of knowledge?
  • Wie kann Software-Architektur etabliert werden?
  • Wie kann Low-Level-Testing initialisiert werden?
  • Wie können Anforderungen priorisiert werden?

Scrum ist überzeugt, dass das Scrum-Team Lösungen finden und entwickeln wird, weil es empiristisch vorgeht. Das bedingt aber folgende Rahmenbedingung:

Selbstorganisierende Teams entscheiden selbst, wie sie ihre Arbeit am besten erledigen, anstatt dieses durch andere Personen außerhalb des Teams vorgegeben zu bekommen. Interdisziplinäre Teams verfügen über alle Kompetenzen, die erforderlich sind, um die Arbeit zu erledigen, ohne dabei von Personen ausserhalb des Teams abhängig zu sein.

Weder das Selbstentscheiden noch das Alle-Kompetenzen sind in halbfertigen Scrum-Implementationen zu beobachten. So sind Scrum-Teams in der Praxis meistens von Personen ausserhalb des Teams abhängig (z. B. zentralisierte Komponenten oder Betrieb). Und folglich kann Scrum die empiristische Wirkung nicht entfalten respektive nicht das Potential des Scrum-Teams ausschöpfen. Verallgemeinert Scrum-but-Ansätze

Scrum ist keine Wunderwaffe.

Die drei Säulen von Scrum (Transparenz, Überprüfung und Anpassung) verbessern Prozesse wie Produkte. Doch ebendiese Säulen stammen vom Qualitätsmanagement. Für mich sind Qualitätsmanagement und Agile Synonyme. Scrum hat die Begriffe vom Qualitätsmanagement modernisiert und sie in die Softwareentwicklung transportiert. Oder wie im Zitat meines Kollegen:

Aufräumen müssen wir selbst.

Wir helfen gerne beim Aufräumen :-). 

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