dot.coaching erklärt - Selbstführung, wie geht das?

Tobias Ellenberger
21. November 2017

"Du bist schon wieder so unglaublich effizient!" Ich weiss gerade nicht so genau, was ich gemacht habe, aber offensichtlich zeigt es Wirkung. Verbunden mit dieser Aussage ist oft die Frage, wie ich das mache. Die Kunst der Selbstführung ist vor allem die Kunst der Reduktion. Reduktion von Waste in Form von Ablenkung und Überfluss an Informationen. In diesem Beitrag möchte ich Euch ein paar Dimensionen von Waste und wie ich damit umgehe aufzeigen.

Überfluss an Optionen

"Wir leben in einer Multi-Options-Gesellschaft." pflegte Panos zu sagen.

Zu viele Optionen machen die Wahl nicht einfacher, sie machen es schwerer, sich zu entscheiden. Das bedeutet nicht, dass wir in eine schwarz-weiss-Sicht abdriften sollten. Die Fülle des Raums zwischen Schwarz und Weiss, die Nuancen des Graus machen das Leben lebenswert. Dennoch ist es in gewissen Situation und Momenten äusserst sinnvoll, Optionen zu reduzieren.

Bespielsweise habe ich nur 2 Mail-Adressen. Ich verwende nicht jede Möglichkeit von Social Media, verzichte auf Accounts. Ich schränke die Kommunikation bewusst ein. Whatsapp ist in der Regel nur privat, der Messenger von Facebook ist nur für eine Person reserviert. Meine private Mailadresse hat genauso wie mein Business Account einen strengen Filter und wer mir über XING oder LinkedIn schreibt merkt, dass die Kommunikation schnell auf meinen Business Account verschoben wird. Durch die Reduktion der Optionen habe ich bereits einen ersten Filter für die Fülle von Informationen angelegt. Weniger Kanäle = weniger Input = weniger Ablenkung. Und es stimmt nicht, dass man dadurch weniger mitbekommt.

Überfluss an Informationen

Letztes Wochenende waren wir im Kino. Einer der Gäste hatte sein Handy verloren und Sabine hat es ihm wieder gegeben. "Oh, vielen Dank! Das ist mein ganzes Gehirn!". Nun, ganz so extrem mag es bei uns nicht sein, aber die Tendenz ist deutlich spürbar. Unsere Handys verwalten heute nicht nur Termine, Freunde, Adressen, Erinnerungen, Fotos und vieles mehr, sie sind daneben auch der Zugang zu weitaus mehr Informationen. Ob in den Social Media Kanälen, oder den News-Apps. Unsere Handys sind zum Schlüssel zu unendlich viel Informationen geworden.

Wie gehe ich damit um?

  1. Reduktion durch Gruppierung und Struktur.
    Mein Hirn braucht Struktur und Ordnung, damit es funktionieren kann. Je mehr Ordnung und Struktur desto mehr Leistung. Also gruppiere ich sämtliche Quellen von Informationen. Ob nach Wichtigkeit, Inhalt oder Farbe ;-). Wie ist jedem selbst überlassen, aber Struktur kann helfen, die Übersicht zu wahren.
  2. Reduktion durch Zeitmanagement
    Zeitmanagement spielt neben Struktur und Prioritäten die wichtigste Rolle. Jedem Ding seine Zeit, könnte man sagen. Ergo gibt es eine Zeit am Tag, für News, eine für Mails, eine Social Media und so weiter. Es können auch zwei Zeitpunkte, oder drei sein. Wichtig ist, dass ich mich fokussiere und meine Zeit limitiere.
  3. Reduktion durch Priorität
    Ein Beispiel dazu aus meinen Mail Accounts.
    1. Sie werden zu definierten Zeiten geprüft.
    2. Filter reduzieren die Informationen nach Wichtigkeit und Dringlichkeit. Wer mir beispieslweise eine Mail mit mir im CC schreibt, darf bis Ende Woche warten. CC-Mails lese ich Ende Woche. Sie sind nicht wichtig für mich.

Überfluss an Ablenkung

Ablenkung. Die wohl wichtigste Komponente, die es zu beherrschen gilt. Ablenkung entsteht in unserem Hirn so oder so. Ständig und immer. Darum reden wir ja überhaupt davon, dass wir uns konzentrieren müssen. Mit den vielen Helfern (Handy, Armbänder, Uhren etc.) haben wir unsere Welt noch ein Stück komplexer gemacht. Wir können uns durch unsere Uhr daran erinnern lassen, dass wir eine Nachricht erhalten haben. Wir können unser Armband vibrieren lassen, wenn wir über eine gewisse Zeit zu wenig Schritte gemacht haben. Kurzum, wir können uns durch unsere Gadgets nicht nur kontrollieren, sondern regelrecht steuern lassen. Die Frage ist, wollen wir das?

Ich nicht. Mein Handy ist so eingestellt, dass mich ab 20:00 Uhr bis 07:00 Uhr nur noch eine handvoll Menschen erreichen können. Familie und ein paar wenige Freunde. Alle anderen erreichen meine Combox. Es ist Quatsch, ständig erreichbar sein zu wollen. Und es ist noch grösserer Quatsch, es ist Unsinn, dass mein Handy mich steuern soll. Also kommt keine Nachricht mit einem Ton. Und auch kein Vibrieren erinnert mich an eine Nachricht. Dafür habe ich meine fixen Zeiten. Und dazwischen bin ich selbst für meine Zeit verantwortlich. Die "Notifications"-Schaltzentrale meines Handys ist mein liebster Bereich für Einstellungen. Hier optimiere ich ständig, damit kein Update und keine neue App meine Ruhe stören kann.

Selbstführung heisst sich selbst Zeit schenken.

Heisst das nun, dass ich weniger erreichbar bin? Das ich weniger über das aktuelle Tagesgeschehen informiert bin? Das ich mich sozial aus der Gesellschaft verabschiedet habe? Überhaupt nicht. Ich schenke mir Zeit. Zeit, die für andere dann mit Effizienz verglichen wird. Dabei bin ich wahrscheinlich gar nicht so effizient. Ich habe einfach etwas mehr Zeit und bin etwas weniger abgelenkt.

Wie geht Ihr damit um? Ich freue mich über Eure Kommentare!

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